Offener Brief der ÖH BOKU zum Thema Prüfungsaktivität

Offener Brief der ÖH BOKU zum Thema Prüfungsaktivität

An
Rektorat der Universität für Bodenkultur Wien
Studierende der Universität für Bodenkultur Wien

Wien, am 18.11.2019

Liebe Studierende!
Verehrtes Rektorat der Universität für Bodenkultur Wien!

Vor wenigen Tagen wurde eine E-Mail  an alle Studierenden ausgesendet, in der wir aufgefordert werden, einen Beitrag zur Finanzierung der BOKU zu leisten, indem wir prüfungsaktiv studieren. Prüfungsaktiv im Sinne der 2018 beschlossenen Unversitätsfinanzierung Neu bedeutet, Prüfungsleistungen im Ausmaß von mindestens 16 ECTS im Jahr zu erbringen.

Wir als ÖH BOKU kritisieren diese neue Universitätsfinanzierung grundsätzlich, da sie das Universitätsbudget von ökonomischen Effizienzkriterien abhängig macht, die mit unseren Vorstellungen von freier Bildung nicht zusammenpassen. Die Qualität eines Studiums kann nicht in ECTS pro Jahr bemessen werden. Daher soll es nicht das oberste Ziel einer Universität  sein, möglichst rasch und effizient Universitätsabschlüsse zu generieren, sondern mündige AbsolventInnen

Wir möchten klarstellen, dass hinsichtlich der Studierbarkeit auf die veränderte Lebensrealität der Studierenden eingegangen werden muss und daher eine Aufforderung,  schneller zu studieren, nicht die Lösungs des Problem darstellt. Es muss auch vonseiten der Universität aktiv daran gearbeitet werden, Hürden im Studium abzubauen und konkrete Lösungsvorschläge gemeinsam mit Lehrenden und Studierenden zu erarbeiten.

Bei einem Treffen von Vertreter*innen von ÖH BOKU und BOKU, welches letzte Woche  stattgefunden hat, ist uns klar geworden, dass aufseiten der Universität sehr viel Unwissen darüber herrscht, mit welchen Problemen wir Studierenden tagtäglich konfrontiert sind: Mangelnde Planbarkeit im Studium, fehlende Prüfungstermine und Schwierigkeiten bei Anrechnungen sind nur einige der Hürden, die dazu führen, dass das Studium  oftmals länger als geplant dauert. Uns wurde Bereitschaft signalisiert, all diese kleineren und größeren Probleme gemeinsam anzugehen und Verbesserungen zu ermöglichen. Daher sind wir ein wenig irritiert darüber, dass die E-Mail zur Prüfungsaktivität ausgerechnet zu dem Zeitpunkt versendet wurde, als wir gerade versucht haben, gemeinsam echte Lösungsmöglichkeiten für Probleme bei der Studierbarkeit zu erarbeiten.

Die ÖH BOKU setzt sich jedenfalls dafür ein, dass konstruktive Kritik eingebracht wird, um gemeinsam mit den zuständigen Stellen der Universität an einer Verbesserung der “Studierbarkeit” zu arbeiten. Uns ist bewusst, dass auch der organisatorische Aufwand für Lehrende immer mehr zunimmt, daher fordern wir in diesem Zusammenhang ausreichende Information und Unterstützung durch die Verwaltung der BOKU, um Lösungen zu schaffen, die allen Angehörigen der BOKU den Alltag erleichtern.

Abschließend möchten wir noch eines klarstellen, um Unsicherheit unter den Studierenden zu vermeiden: Das Erbringen von gewissen ECTS-Leistungen ist zwar erforderlich für diverse Beihilfen – was die Universitätsfinanzierung angeht, gibt es jedoch keine studienrechtlichen Konsequenzen für Studierende, die weniger als 16 ECTS pro Jahr erbringen!

Wir begrüßen die derzeitige Vorgehensweise der Vizerektorin für Lehre, Ideen und Anregungen direkt von Studierenden zu sammeln und hoffen, dass aus diesen Vorschlägen gemeinsam konkrete Lösungsansätze erarbeitet werden können!

Mit freundlichen Grüßen,

Marcus Beringer
Referent für Bildungspolitik
bipol@oehboku.at

Johannes Schützenhofer, Christina Seiringer, Timon Kalchmayr
Vorsitzteam der ÖH BOKU
vorsitz@oehboku.at